Integration in der Schule

Nachdem Elterninitiativen die vorschulische Integration ihrer behinderten Kinder durchgesetzt hatten, wandten sie sich immer stärker der schulischen Integration zum gemeinsamen Unterricht mit nicht behinderten Kindern zu. So entstand in den zurückliegenden Jahren allmählich ein System gemeinsamer schulisch-integrativer Erziehung und Bildung. Dabei ist ein deutliches Gefälle von Norden nach Süden erkennbar. Trotz einer beeindruckenden Integrationsbewegung  werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt, bezogen auf alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, weniger als zehn Prozent dieser Klientel integrativ beschult (UN-Bildungsbericht, 2007). Neben dem starken Nord-Süd-Gefälle im schulischen und beruflichen Integrationsengagement der Politiker und Pädagogen, werden auch von einzelnen Landesregierungen unterschiedliche Zielsetzungen einer integrativen Beschulung verfolgt. Hier unterscheidet man in der Ausgestaltung der integrativen Beschulung zwischen einer lernzielgleichen Integration und einer lernzieldifferenten Integration.

Im Falle der praktisch umgesetzten lernzieldifferenten Integration, die in der Regel von allen Bundesländern praktiziert wird, kann jedes schulpflichtige Kind mit welcher Behinderung auch immer schulisch integriert werden. Didaktisch-methodisch bedeutet dies, dass im integrativen Unterricht auf der Grundschul- oder Sekundarstufe im Prozess des gemeinsamen Lernens am selben Lerngegenstand nach dem didaktischen Prinzip der inneren Differenzierung jedes behinderte Kind individuell nach den Unterrichtsrichtlinien des Sonderschultyps, der seiner Behinderung entspricht, gefördert wird. Bei dieser Art schulischer Integration steht also das behinderte Kind mit seiner individuellen Ausgangslage und seinem speziellen sonderpädagogischen Förderbedarf im Vordergrund.

Hingegen steht bei der lernzielgleichen Integration das voraussichtlich zu erreichende Schulabschlussziel als Entscheidungsfaktor darüber im Vordergrund, ob ein behindertes Kind überhaupt integrativ beschult wird oder nicht. So geht man hierbei davon aus, dass zum Beispiel Kinder mit einer erheblichen Lernbehinderung oder einer geistigen Behinderung den Hauptschulabschluss als letztlich zu erreichendes Schulziel wegen ihrer "kognitiven Defizite" nicht erreichen werden.

Die Qualität der integrativen Beschulungspraxis hängt entscheidend von zusätzlichen, in besonderer Weise geschulten und motivierten LeherInnen, sowie räumlichen und sächlichen Rahmenbedingungen ab. Werden diese vorgenannten Rahmenbedingungen nur teilweise oder gar nicht erfüllt, so besteht die Gefahr, dass die behinderten Kinder im Rahmen des integrativen Unterrichts zu bloßen "Beistellkindern" verkommen, wobei dann von einer echten schulischen Integration nicht mehr die Rede sein kann. Hier stellt dann sicherlich der adäquate Sonderschultyp für dieses betreffende Kind die bessere Alternative dar (vergl. dazu Jacobs, 2004).

Integration in der Schule ist bei uns eine Frage des politischen Willens

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